Servicetechniker als erster Vertrieb:


Servicetechniker in der Industrie: Das ungenutzte Potential als „erste Vertriebler“

In vielen Industrieunternehmen konzentriert sich der Vertrieb traditionell auf Key-Account-Manager, Außendienstmitarbeiter und Verkaufsabteilungen. Doch eine Rolle wird dabei oft unterschätzt: die des Servicetechnikers. Dabei sind es gerade die Servicemitarbeiter, die als erste und direkteste Vertreter des Unternehmens beim Kunden vor Ort agieren – oft in Situationen, in denen es um Vertrauen, Verlässlichkeit und Problemlösung geht. Sie sind die „Visitenkarte“ des Unternehmens und haben durch ihre Einsätze einen unvergleichlich engen Zugang zum Kunden.

Die Frage lautet also: Wie lassen sich Servicetechniker optimal unterstützen, damit sie auch als „erste Vertriebler“ erfolgreich auftreten und ihre Nähe zum Kunden gewinnbringend für beide Seiten nutzen können?


1. Servicetechniker als Schlüsselakteure im Kundenkontakt

Während Vertriebsmitarbeiter häufig in einem formalen Rahmen auftreten – mit Präsentationen, Angeboten und Verkaufsargumenten –, interagieren Servicetechniker in einem hochgradig praxisorientierten Umfeld. Der Kunde erlebt sie:

  • vor Ort im Betrieb, direkt an den Anlagen,

  • oft unter Zeitdruck, wenn akute Störungen vorliegen,

  • nah an den Entscheidern, sei es der technische Leiter, der Produktionsleiter, aber auch die Geschäftsführung kleinerer Unternehmen.

Dadurch haben Servicetechniker Zugang zu Informationen, die Vertriebsorganisationen häufig verborgen bleiben:

  • Gibt es Überlegungen zur Anlagenerweiterung?

  • Welche Probleme oder Unzufriedenheiten bestehen?

  • Welche Stimmungen herrschen in Belegschaft und Management?

  • Ergeben sich neue Anforderungen durch technologische Veränderungen oder gesetzliche Rahmenbedingungen?

Kurz gesagt: Der Servicetechniker ist nicht nur Problemlöser, sondern auch Sensor des Unternehmens am Markt.


2. Vom Techniker zum „After-Sales-Spezialisten“

Aftersales-Services – Ersatzteile, Wartungen, Instandsetzungen – sind bereits etablierte Umsatzquellen. Doch darüber hinaus steckt enormes Wachstumspotential im servicegestützten Vertrieb. Servicetechniker können:

  • Bedarf erkennen: durch gezieltes Fragen und aktives Zuhören,

  • Potenziale weiterleiten: an den Vertrieb zur Angebotserstellung,

  • Kundenbindung stärken: durch Fachkompetenz und Vertrauen,

  • Cross- und Upselling unterstützen: z. B. beim Hinweis auf moderne Technologien, Erweiterungen oder Effizienzsteigerungen.


3. Voraussetzungen für die neue Rolle

Damit Servicetechniker als „erste Vertriebler“ wahrgenommen werden, müssen Unternehmen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen:

a) Einheitliches Erscheinungsbild und Auftreten

  • Corporate Identity auch beim Servicetechniker: saubere Arbeitskleidung, einheitliche Ausstattung, gepflegtes Auftreten.

  • Freundlichkeit, Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft prägen den ersten Eindruck beim Kunden.

  • Der Vergleich mit einem Sportverein: Einheitliche Kleidung und Auftreten fördern nicht nur Außenwirkung, sondern auch Teamgeist.

b) Schulung und Weiterentwicklung

  • Vertriebsorientiertes Handeln kann trainiert werden: Fragetechniken, aktives Zuhören, Sensibilität für Verkaufschancen.

  • Umgang mit schwierigen Kunden: Konfliktmanagement, positives Denken und Handeln.

  • Kommunikationsstärke: technische Sachverhalte verständlich erklären und im richtigen Moment Chancen für den Vertrieb identifizieren.

c) Enge Zusammenarbeit mit dem Vertrieb

  • Servicetechniker dürfen keine „Einzelkämpfer“ sein – sie brauchen eine klare Schnittstelle zum Vertrieb.

  • Digitalisierung bietet Chancen: mobile Apps oder CRM-Systeme, in denen Hinweise und Beobachtungen direkt erfasst werden können.

  • Feedback-Schleifen sind wichtig, damit Servicetechniker erleben, dass ihre Informationen wertgeschätzt und weiterverarbeitet werden.


4. Unternehmenskultur und Philosophie

Nur wenn alle Ebenen des Unternehmens eine gemeinsame Philosophie leben, kann dieses Modell erfolgreich sein. Der Servicetechniker darf nicht als „Verkäufer mit Schraubenschlüssel“ missverstanden werden, sondern als kompetenter technischer Partner, der gleichzeitig den Kundenbedarf erkennt.

Wichtige Werte, die das Unternehmen verkörpern muss:

  • Glaubwürdigkeit: nur Lösungen empfehlen, die wirklich Mehrwert bieten,

  • Verlässlichkeit: Serviceversprechen einhalten,

  • Erreichbarkeit & Schnelligkeit: klare Reaktionszeiten und Strukturen,

  • Hilfsbereitschaft: über das Erwartbare hinaus unterstützen.

So wird der Servicetechniker zum vertrauenswürdigen Partner, der die Brücke zwischen Service und Vertrieb bildet.


5. Praxisnutzen für Unternehmen

Die Integration von Servicetechnikern in den Vertriebs- und Serviceprozess bringt zahlreiche Vorteile:

  • Mehr Umsatzchancen: Erschließung brachliegender Potentiale ohne großen Mehraufwand.

  • Stärkere Kundenbindung: durch persönliche, regelmäßige Kontakte.

  • Profitables Wachstum: Servicetechniker sind ohnehin vor Ort – zusätzliche Investitionen sind minimal.

  • Innovationsimpulse: Kundenbedarfe werden frühzeitig erkannt und können in Produktentwicklungen einfließen.


6. Handlungsempfehlungen für Unternehmen

  1. Analyse des eigenen Servicebereichs: Wo liegen ungenutzte Potenziale im After-Sales-Geschäft?

  2. Schulungsprogramme entwickeln: Soft Skills (Kommunikation, Konfliktmanagement) ebenso wie vertriebsorientiertes Denken trainieren.

  3. Verbindung Service & Vertrieb stärken: klare Prozesse für Informationsweitergabe und Feedback etablieren.

  4. Erscheinungsbild vereinheitlichen: Servicetechniker als Markenbotschafter sichtbar machen.

  5. Kulturwandel fördern: Service und Vertrieb nicht getrennt, sondern als Team im Sinne des Kunden verstehen.


Fazit

Servicetechniker sind viel mehr als reine Problemlöser. Sie sind vertrauenswürdige Partner des Kunden, kompetente Repräsentanten des Unternehmens und wertvolle Türöffner für neue Geschäftsmöglichkeiten. Indem Unternehmen ihre Servicetechniker gezielt als „erste Vertriebler“ einbinden, nutzen sie ein enormes Potential, das nicht nur zu neuen Umsätzen, sondern auch zu einer nachhaltigeren Kundenbindung führt.

Der berühmte Satz gilt mehr denn je:
Nach dem Verkauf ist vor dem Verkauf – und der Servicetechniker ist dabei das entscheidende Glied in der Kette.


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