Umformtechnik IV – Maschinenverhalten von Pressen

Die Gestellsteifigkeit einer Umformmaschine hat erheblichen Einfluss auf die Verformgenauigkeit von Werkzeugen, den Werkzeugverschleiss und die Produktqualität der Erzeugnisse. Hinzu kommt die Führungsgeometrie und das Führungspiel zwischen Stößel und Ständer. Elastische Durchfederung des Maschinengestell und des Triebwerk nehmen ebenfalls Einfluss auf die Werkstückgenauigkeit und den Verschleiss der Werkzeuge.

Nach Ickert ist „die Genauigkeit der Grad der gewünschten Annäherung an ein gewolltes Ergebniß“ Der verwendete Maßstab für die „Genauigkeit“ stellt die „Bestmögliche“ Ungenauigkeit, d.h. die Abweichung zwischen dem gewünschten Sollwert und dem Istwert dar. Die so gewählte „Toleranz“ ist damit eine zuverlässige und vereinbarte Abweichung des Istwert vom Sollwert.

Das Genauigkeitsverhalten von Pressen muss funktionsnotwendig ausgelegt werden. Die konstruktive Ausbildung der Querschnitte, Herstellung in Stahlschweißkonstruktion oder Gusskörper und die Auswahl des Triebwerk bestimmen vielfach die Qualität der Erzeugnisse.Parallelität der Werkzeugaufnahmen/Bohrungen zwischen Tisch und Stößel. Rechtwinkeligkeit der Stößelbewegung zum festen Pressentisch. Ausreichende Steifigkeit des Maschinengestell und wenig Schwankungen des Arbeitsvermögen der Presse bilden die Grundlage um wirtschaftlich fertigen zu können.

Eine zu klein dimensionierte Maschine wird dauernd überlastet während eine zu groß ausgelegte Maschine unwirtschaftlich produziert.

Die Genauigkeit der Stößelbewegung kann ohne Last bestimmt werden, durch feststellen der Winkeligkeit des Stößelhub in zwangsfreier Bewegung. Die Bewegungsgenauigkeit des Stößel unter Last  mit zwansgeführten Hub kann mittels Hochgeschwindigkeitskamera ermittelt werden. Die Aufnahmen sind bei der Fehlersuche oftmals hilfreich.

Mögliche Fehler am Produkt sind auf verschiedene Faktoren zurück zu führen

1.Kippen des Stößel in der Abwärtsbewegung-Führunfsspiel

2.Elastische Verformungen der Führung oder des Maschinengestell

3.Aussermittige Belastung – Verschiebefehler – Schlagschnitt

4.Neigen des Gestell während des Arbeitshub

5.Auftrefflagefehler durch schlechte Führungsgeometrie/Führungsspiel

6.Fehlende Parallelität zwischen Tisch und Stößel-Parallelitätsfehler

7.Kein Winkelhub des Stößel zum festen Pressentisch

8.Fehlende Flucht der Werkzeugaufnahmen am Ober und Unterteil des Werkzeug

9.Werkzeugaufnahmeflächen sind verschliessen-WZG biegt sich durch

10.Unausgeglichene Massenmomente-Stößelgewichtsausgleich

Um die Fehler am Produkt zu erkennen und klar festzustellen ob es an einer Ungenauigkeit der Maschine, an fehlerhaften Einbau von Werkzeugen oder andere Gründe vorliegen, muss man interdisziplinär mit allen Abteilungen am Prozess arbeiten und transparent kommunizieren.Zufällige Fehler lassen sich schwer eingrenzen, systematische Fehler sind nach eingehender Analyse zu beseitigen.

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