Wie entwickelt man die betriebliche Instandhaltung in den Zeiten der digitalen Revolution mit Industrie 4.0 zu einer modernen Abteilung?

Als Interimmanager ist es immer wichtig etwas über das Unternehmen, dessen Kultur und Leitbilder zu erfahren. Es geht um die allgemeine Strategie im gesamten Unternehmen, wie ist die Produktion aufgestellt und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der betrieblichen Instandhaltung derzeit?

Natürlich geht es bei der Verpflichtung eines Interimmanager immer um schnelle Lösungen mit quick wins. Diese kurzfristigen Eingriffe müssen mit dem Team der Instandhaltung gemeinsam besprochen und etabliert werden. Jedoch muss eine Instandhaltung immer langfristige Ziele verfolgen. Der Lebenszyklus von Maschinen und Anlagen und somit das Anlagevermögen eines Unternehmens sollte gehegt und gepflegt werden ohne dabei die Kosten zu vernachlässigen.

Ursachenforschung und das Ermitteln von Verbesserungspotential bilden den ersten Schwerpunkt der Aufgabe. Dann gilt es gemeinsam die festgestellten Mängel zu beseitigen und die Instandhaltungsorganisation fit für den nächsten Schritt Richtung „Digitaler Produktion & Instandhaltung“ zu machen. Eine funktionierende IT gestützte, einheitliche Instandhaltungsdokumenation mit integrierten Ersatzteilmanagement sind ein weiterer Schwerpunkt

Die Abteilung Instandhaltung muss viele komplexe Aufgaben lösen, sie ist dabei auch immer Ratgeber, Dienstleister und Wissensgenerator im Betrieb. Neben den üblichen Entstörungen während der Produktion die immer reaktiv und situationsbedingt stattfinden gibt es viele planbare Aufgaben.

Aufgabenstellung einer Instandhaltung

  • Festlegen der Instandhaltungsstrategie mit dem Management – Kurzfristig, Reaktion bei Störungen und Produktionsausfällen. Mittelfristig, vorbeugende Instandhaltung und Wartung. Langfristig, Revisionen, Retrofit, Projekte und Jahresplan I&R
  • Planung der Instandhaltungskosten und Investitionen zusammen mit dem Management und Controlling auf Grundlage der I&R Strategie und des Jahresplans
  • Planung der vorbeugenden Instandhaltungsmaßnahmen auf Basis der Jahresplanung, Budget und der I&R Strategie
  • Planung der eigenen Kapazitäten, Ressourcen und Fremddienstleister für Projekte und I&R Maßnahmen. Ausfallrisiko der Anlagen und die Reaktionszeit der Instandhaltung berücksichtigen
  • Maßnahmen mit der AV und allen angeschlossenen Abteilungen abstimmen unter Berücksichtigung der Produktionszeiten und der Kosten. Interdisziplinäre Kommunikation über das Instandhaltungsgeschehen
  • Ersatzteilmanagement und Lieferantenmanagement zusammen mit dem Einkauf planen und abstimmen
  • Terminplanung für Instandhaltungsmaßnahmen erstellen. Terminverfolgung und Kontrolle des Arbeitsfortschritts von I&R Maßnahmen sicherstellen
  • Aufträge vergeben und Fremddienstleister koordinieren, Kosten kontrollieren und Abrechnungen prüfen
  • Dokumentieren der Instandhaltungsaktivitäten – Wissensdatenbank schaffen.
  • Auswertungen der Dokumentationen zur Schwachstellenanalyse.
  • Erstellen von Arbeitsanweisungen und Plänen auf Basis der Dokumentationen und Auswertungen. Investitionspläne, Eskalationspläne bei Störung und Produktionsausfall-Notfallpläne-Checklisten-Wartungspläne-Inspektionspläne Arbeitsanweisungen-Fehlerkataloge-Entstöranweisungen-Ersatzteilauswahl-Lasten und Pflichtenheft-Konformitätserklärungen-Statistiken etc.
  • Standardisierung von Maschinen und Ersatzteilen voran treiben
  • Mitwirkung an Lasten- und Pflichtenheften für die Neuanschaffung und zukünftige Investitionen
  • Neue Technik integrieren wie den 3D Druck für Ersatzteile etc.
  • Umweltschutzmaßnahen und Arbeitssicherheit, Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen
  • Audit, Umwelt; und Energiemanagement, Risiko und Gefährdungsbeurteilungen erstellen/anpassen
  • Regelmäßige Prüfungen gmäß TRBS, ArbSchGes, BGV A3, BG Vorschriften etc.

Für die Zukunft gilt es diese wichtigen Themen zu lösen:

  1. Die Sicherung der Maschinennutzung zu gewährleisten und das Anlagevermögen des Unternehmens zu sichern
  2. Instandhaltungskosten müssen transparent dargestellt werden um die Kosten unter Kontrolle zu behalten. Instandhaltung und Ersatzteilmanagement kosten nun einmal Geld, das beim richtigen Einsatz sehr rentabel angelegt ist
  3. Etablieren von vorbeugender Instandhaltung und condition Monitoring im Zuge von Industrie 4.0. Verschiebung von korrektiver Instandhaltung hin zur präventiver Instandhaltung.
  4. Digitalisierung der Produktion, der Maschinen und der Instandhaltung umsetzen. Infrastrukturen, Sensorik und andere Hardware müssen eingebaut und angeschlossen werden
  5. Fundamentierung von Wissen im Unternehmen. Eine Wissensdatenbank schaffen um die Erfahrung der älteren Kollegen zu sichern. Wissen und Informationen sind von großer Bedeutung für eine Technikabteilung sowie für die gesamte Entwicklung eines Unternehmens
  6. Generationswechsel und Fachkräftemangel in der Instandhaltung durch Ausbildung entgegenwirken
  7. Die Zusammenarbeit der internen Technikabteilungen und der externen Serviceanbieter geschickt zu kombinieren.
  8. Eine langfristige Strategie entwickeln welche die Unternehmenskultur beinhaltet und die Mitarbeiter mitnehmen
  9. Im Betrieb TPM und KVP etablieren, zusammen mit allen Abteilungen an der stetigen Verbesserung aller Prozesse mitwirken.

Die betriebliche Instandhaltung hat verschiedenen Strategien zur Verfügung.

  • Reaktive Instandhaltung
  • Vorbeugende Instandhaltung
  • Zustandsorientierte Instandhaltung
  • Wissenorientierte Instandhaltung
  • Risikobasierte Instandhaltung
  • Vorhersagende Instandhaltung

Anhand der Verbesserungen der betrieblichen Instandhaltung steigert sich natürlich gleichzeitig die Produktivität und technische Verfügbarkeit Ihrer Maschinen und Anlagen. Bessere Nutzungszeiten bedeuten immer auch eine höhere Produktivität und somit ein verbessertes Betriebsergebniß. Das funktinioniert aber nur wenn alle Abteilungen gemeinsam für den Erfolg arbeiten und getroffene Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Wenn alle nötigen Themen angegangen werden lassen sich einige Prozente an Steigerung der Produktivität erreichen. Wichtig sind dabei die kosequente Umsetzung der in den Analysen gewonnen Erkenntnisse, denn die Instandhaltung ist im Bereich Technik ein wichtiger „Wissensgenerator“, das Wissen muss genutzt werden um TPM und KVP Projekte zu fördern. Wenn Störungen reduziert und Ausfallgründe beseitigt werden muss die Produtivität ansteigen.